Genetische Untersuchungen an heimischen Neunaugenarten |
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| Freitag, 09. Oktober 2009 um 12:46 |
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Dr. Miriam Blank (Universität Hamburg) Die Evolution von nicht-parasitischen Bachneunaugen und ihre Verwandtschaft zu den anadromen, parasitischen Flussneunaugen ist eine seit langem diskutierte Frage der Neunaugenforschung. Von den insgesamt ungefähr 40 Neunaugenarten weltweit sind etwa die Hälfte nicht-parasitische Bachneunaugenarten, die ausschließlich im Süßwasser leben. Sie verbringen mehrere Jahre als Larvenstadium (Querder) im sandigen Boden und filtrieren Plankton. Nach der Verwandlung (Metamorphose) fressen die adulten Tiere nicht mehr. Im Gegensatz dazu haben die im gleichen Lebensraum vorkommenden Flussneunaugen eine kürzere Larvalphase und wandern nach der Metamorphose flussabwärts ins Meer. Sie ernähren sich von Fischen, denen sie mit ihrem Zähnchen besetzten Saugmund Haut und Muskelfleisch herausraspeln. Zur Fortpflanzung wandern die Flussneunaugen wieder zurück ins Süßwasser, wo sie sich, wie die stationären Bachneunaugen auch, fortpflanzen und dann sterben. Die Verbreitungsgebiete des Europäischen Fluss- und Bachneunauges überlappen größtenteils und sie besiedeln Fließgewässer des Einzugsgebietes der Nord- und Ostsee, des Atlantiks und des westlichen Mittelmeeres (Holčík 1986). Die Larven von Bach- und Flussneunaugen sind sich morphologisch sehr ähnlich und eine sichere Bestimmung beider Arten ist nur im adulten Stadium möglich. Dort zeigen beide Arten aber deutliche Unterschiede in der Körperlänge und in der Lebensweise. Trotzdem ist die Frage des Artstatus und der Verwandtschaft von Bach- und Flussneunauge weitestgehend ungeklärt.
Untersuchungen Wir untersuchten in unserer Arbeit die phylogenetische Verwandtschaft des europäischen Artenpaares Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) und Bachneunauge (Lampetra planeri), sowie des Ukrainischen Bachneunauges (Eudontomyzon mariae) und des Meerneunauges (Petromyzon marinus) innerhalb der Petromyzontidae (Neunaugen). Hierzu wurde etwa ein Viertel der gesamten mtDNA der Neunaugen sequenziert (Blank et al. 2008).
Phylogenetische Verwandtschaft der heimischen Neunaugenarten anhand der mtDNA. Es lassen sich drei Gruppen unterscheiden: das Meerneunauge (Petromyzon marinus) (grün), das Ukrainisches Bachneunauge (Eudontomyzon mariae) (gelb) und das Europäische Artenpaar Bach- (Lampetra planeri) und Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) (rot). Innerhalb des Europäischen Artenpaares sind die beiden Arten nicht voneinander getrennt.
Da keine artdiagnostischen Merkmale auf mtDNA-Ebene gefunden wurden, unterstützen die Daten zwei alternative Hypothesen: (1) das Bach- und das Flussneunauge gehören zur selben Art und repräsentieren verschiedene Ökotypen einer Art. Zwischen beiden Arten kommt es durch eine unvollständige reproduktive Isolation zum Austausch von genetischem Material, daher finden sich keine artspezifischen Merkmale. Die Unterschiede in der Ökologie dieser beiden Ökotypen ermöglichen zum einen die Besiedlung eines größeren Areals und zum anderen die Nutzung verschiedener Nahrungsressourcen. Literatur Beamish, R.J., and Withler, R.E. 1986. A polymorphic population of lampreys that may produce parasitic and a nonparasitic varieties. In Indo-Pacific Fish Biology: Proceedings of the Second International Conference on Indo-Pacific Fishes, Ichthyological Society of Japan, Tokyo pp. 31-49. Blank, M., Jürss, K., and Bastrop, R. (2008). A mitochondrial multigene approach contributing to the systematics of the brook and river lampreys and the phylogenetic position of Eudontomyzon mariae. Can. J. Fish. Aquat. Sci. 65: 2780-2790. Engelhorn, R., and Schreiber, A. 1997. Allozyme polymorphisms and biochemical-genetic taxon markers in lampreys (Lampetra, Eudontomyzon, Petromyzon). Bioch. Genet. 35: 233-249. Hardisty, M.W., and Potter, I.C. 1971. Paired species. In The biology of lampreys. Edited by M.W. Hardisty and I.C. Potter. Academic Press, London, New York, Vol 1. pp. 249-277. Holčík, J. 1986. The freshwater fishes of Europe. Vol.1/1 „Petromyzontiformes" Aula-Verlag, Wiesbaden. Krech, M. 1997. Populationsgenetische Untersuchungen an den europäischen Neunaugenarten L. planeri und L. fluviatilis. Diploma thesis, University of Rostock, Germany.
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