Praktizierter Neunaugenschutz |
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Die Neunaugenbesiedlung des naturnahen Sandfangs Borstel-Hohenraden an der Pinnau und Empfehlungen zur Unterhaltung im Hinblick auf den Schutz von NeunaugenEin gemeinsamer Bericht von:
1 Zielstellung und VeranlassungIm Zuge der Umsetzung der EU-WRRL wurde im Jahr 2008 in der Pinnau bei Borstel-Hohenraden ein naturnaher Sandfang angelegt (Abbildung 1). Auf die Sedimentproblematik und das Thema Sandfänge soll hier nicht näher eingegangen werden, vgl. dazu bspw. den Vermerk von Dr. Brunke, LLUR 41, vom 17.11.2008.
Unser Vorhaben hatte daher zwei wesentliche Ziele: • Untersuchung und Beschreibung der Besiedlung des Sandfangs Borstel-Hohenraden sowie angrenzender Teile der Pinnau mit Neunaugenquerdern Die Untersuchungen im Sandfang wurden im August 2009 durchgeführt. Dieser Bericht stellt die Ergebnisse vor und empfiehlt Handlungsoptionen für die Entleerung des Sandfanges. Hinweis zum Verbleib der gefangenen Querder:
Eine weitere Besatzaktion erscheint im Zusammenhang mit der Unterhaltung des Sandfangs sinnvoll. 2 Fischbiologische Felduntersuchungen im Bereich des Sandfangs
2.1 MethodenAm 04.08.2009 wurden im Bereich des oberen Beckens des Sandfangs Borstel-Hohenraden semiquantitative Untersuchungen zum Bestand an Querdern durchgeführt (Abbildung 3). Dazu kam Am 06.08.2009 wurden vergleichbare Untersuchungen im Bereich der Pinnau direkt oberhalb des Sandfangs fortgesetzt, um die Besiedlung des Fließgewässers und des Sekundärhabitates Sandfang vergleichen zu können. In der Pinnau oberhalb des oberen Sandfangbeckens wurden 20 Kescherhols durchgeführt und die gefangenen Querder ausgezählt und vermessen. Im Gegensatz zum Sandfang, in dem die Probestellenauswahl entlang des Transsektes sich nach der Begehbarkeit richtete, erfolgte die Beprobung in der Pinnau ausschließlich an Bereichen, die dem Augenschein nach eine Besiedlung mit Neunaugenlarven vermuten ließen. 2.2 Ergebnisse und DiskussionSandfang
Tabelle 1: Fangergebnisse von Querdern mit der Siebmethode.
Der Sandfang (oberes Becken) war im August 2009 zu geschätzt 40 % im oberen Bereich mit Sand gefüllt (das untere Becken war dem Augenschein nach bislang nicht Sediment gefüllt). Der nicht mit Sand gefüllte Teil war durch schlickig-muddiges Sediment geprägt, wies aber noch Wassertiefen von über 1,5 bis 2 Meter auf. Die Querder waren relativ gleichmäßig über den gesamten unteren schlickigen Teil des Sandfangs verteilt. Alle mit dem Kescher erreichbaren Wassertiefen waren dicht besiedelt. Der abgelagerte Sand hatte eine sehr scharfe Abbruchkante, die gleichzeitig auch die Besiedlungsgrenze für die Querder darstellte. Im reinen Sand wurden nahezu keine Querder angetroffen (Transsekte VIII und IX). Die Längenverteilung der Querder zeigt Abbildung 5.
Das obere Becken des Sandfangs hat eine Fläche von ca. 1.060 m2 (rund 0,1 ha). Unter Nutzung der Teilergebnisse aus Tabelle 1 ergibt sich rein rechnerisch ein Bestand an Querdern im oberen Becken von rund 94.000 Stück (!). Untersuchungen zur Fangwahrscheinlichkeit mit der Siebmethode wurden nicht angestellt. Es ist bei dieser Untersuchung jedoch davon auszugehen, dass bei größeren Wassertiefen und bei vergleichsweise schlickigem Sediment die Fangwahrscheinlichkeit niedriger angenommen werden muss als bei flachen und festeren Sedimenten. Somit ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Querderzahl im oberen Becken des Sandfangs Borstel-Hohenraden sehr deutlich über 100.000 Querdern liegt.
Pinnau oberhalb des Sandfangs Im Rahmen der Siebung wurden bei 20 repräsentativen Kescherhols in der Pinnau oberhalb des Sandfangs 64 Querder gefangen. Nur auf die untersuchten, dem Augenschein nach zur Besiedlung gut geeigneten Bereiche bezogen, ergab sich eine Besiedlungsdichte von ca. 51 Querdern / m2 (zum Vergleich: 76 bis 125 Individuen /m2 im Sandfang, T I bis VIII, Tabelle 1). Es wurde durch stichprobenartige Messungen abgeschätzt, dass ca. 15 % der Sedimentfläche der Pinnau überhaupt mit Neunaugen besiedelt sind. Somit beträgt die mittlere Besiedlungsdichte des Gesamtgewässers im Pinnauverlauf direkt oberhalb des Sandfangs rund 8 Individuen / m2. Abbildung 7 zeigt die Längenverteilung der im Pinnauverlauf oberhalb des Sandfangs gefangenen Querder.
Ein Vergleich von Abbildung 5 und Abbildung 7 zeigt, dass das Größenspektrum der Querder im Sandfang und in der Pinnau unter Einsatz der Siebmethode sehr ähnlich ist. Das spricht dafür, dass Querder altersunabhängig in den Sandfang eindriften oder aktiv einwandern und hier siedeln. 3 Vorschläge zur Unterhaltung des Sandfangs3.1 Aktuelle SituationAls vorteilhaft für den Schutz der Neunaugen im Rahmen der Unterhaltung erweist sich die Tatsache, dass die Querder im reinen Sand, der sich im oberen Drittel derzeit abgelagert hat, praktisch nicht siedelten. Daher kommt beim derzeitigen Füllungsstand des Sandfangs eine Teilentnahme des Sedimentes in Betracht, bei der Querder praktisch nicht betroffen wären. Im Idealfall müsste die Entnahme in einem Sicherheitsabstand (ca. 1 m) oberhalb der Abbruchkante enden, dann wäre die Betroffenheit der Querder fast nicht gegeben. Alternativ bietet sich auch die Möglichkeit, das Sediment im Bereich der Abbruchkante mit einem kleinräumigen Übergang von reinem Sand zu Schlick auf einer Schicht von max. 30 cm abzutragen und im hinteren tiefen Teil des Beckens einfach abzusetzen. Danach könnte der derzeit aufgeschwemmte Sand vollständig entnommen werden. 3.2 Zukünftige UnterhaltungEs ist fraglich, ob sich künftig das gesamte Becken mit Sand füllt und insofern stets wie unter 3.1 beschrieben vorgegangen werden kann. Erfahrungen an anderen Sandfängen lassen vielmehr vermuten, dass nach einiger Zeit auch eine Räumung des hinteren schlickgefüllten Teils des Sandfangs unumgänglich wird, um seine Leistungsfähigkeit zu erhalten. In diesem Fall wäre die Betroffenheit der Querder extrem hoch, da dann praktisch der gesamte besiedelte Bereich ausgeräumt werden würde. Für dieses Szenario sind dringend weiter führende Schutzmaßnahmen für die Neunaugen vorzusehen. Nach derzeitigem Stand kommt bei einer vollständigen Räumung des Sandfangs einschließlich der schlickigen Bereiche nur eine manuelle Auslese der Larven in Betracht. Dazu müsste die obere Sedimentschicht flächendeckend entnommen, an Land extra platziert und von Hand oder mit Sieben auf Neunaugenlarven durchsortiert werden. Dies ist mit Sicherheit ein sehr aufwändiges Verfahren. Alternativen erschließen sich uns jedoch derzeit nicht. Ohne Auslese der Larven aus der oberen Sedimentschicht müsste von einem Totalverlust aller im Sandfang siedelnden Querder ausgegangen werden - ganz sicher ein nicht hinnehmbarer Eingriff in den Neunaugenbestand der Pinnau. Der im Bereich des Sandfangs zuständige Fischereipächter, der SAV Elmshorn-Barmstedt, hat in einem Vorgespräch bereits sein Interesse signalisiert, die aufwändige Handauslese der Neunaugen bei einer angemessenen Aufwandsentschädigung zu übernehmen. Dieses Angebot sollte unserer Meinung nach im Rahmen einer möglichst auf Langfristigkeit angelegten Kooperationsvereinbarung aufgegriffen werden. Für die beteiligten Angler wäre noch die Aufwandsentschädigung zu organisieren, bei der auch die Nutzung der Fischereiabgabe zu prüfen sein wird. 4 Verallgemeinerbare Erkenntnisse aus dem Pilotvorhaben Sandfang PinnauEine verallgemeinerbare Aussage zur Unterhaltung naturnaher Sandfänge im Hinblick auf den erforderlichen Schutz von Neunaugenquerdern lässt sich unserer Meinung nach aus den vorliegenden Untersuchungen nicht ableiten. So unterscheidet sich der hier untersuchte Sandfang in der kleinräumigen Besiedlungsstruktur von anderen bekannten Sandfängen, in denen beispielsweise auch der aufgeschwemmte Sand mit Larven besiedelt ist (BRUNKE 2009). Offenbar ist die Besiedlung eines Sandfanges stark abhängig von der Korngrößenzusammensetzung des sedimentierten Materials, vermutlich auch von den hydraulischen Eigenschaften des Sandfangs und ggf. von weiteren Faktoren. Daher müssen Unterhaltungsempfehlungen immer fallspezifisch und standortbezogen erfolgen. Beim Sandfang in der Pinnau bei Borstel-Hohenraden ist auffällig, dass die Anlage mit zwei jeweils direkt oberhalb der Becken gelegenen kleinen Sohlgleiten zum Gefälleabbau verknüpft ist. Aufgrund der Korngrößenfraktion dieser Sohlgleiten ist davon auszugehen, dass vor allem Meerneunaugen, vielleicht aber auch Flussneunaugen, in diesen kurzen Abschnitten erfolgreich ablaichen können. Damit driften die schlüpfenden Larven unmittelbar in den sich unterhalb anschließenden Sandfang und finden hier optimale Bedingungen zum Siedeln. Insofern ist davon auszugehen, dass ein gewisser, hier nicht ermittelbarer Teil des „Neungaugenproblems hausgemacht" ist, weil es auf der baulichen Verknüpfung von Sohlgleiten (= Laichplatz) und Sandfang (= Sekundärhabitat) basiert. Für die künftige Planung vergleichbarer naturnaher Sandfänge wird angeregt, eventuell notwendigen Gefälleabbau nur unterhalb des Sandfangs vorzunehmen - dort möglichst in Form Lauf verlängernder Riffle-Pool-Sequenzen, die Kies laichenden Arten gute Reproduktionsmöglichkeiten eröffnen. Damit ließe sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sehr massive Besiedlung des Sandfangs mit Neunaugenlarven, wie im hier untersuchten Fall, verhindern. Zudem verbessert ein direkt oberhalb der Laichbetten liegender Sandfang die Überlebensaussichten der sich im Sediment entwickelnden Eier und Larven, besonders für Salmoniden, ganz beträchtlich. Ergänzend sollte zur Bestimmung der optimalen Position im Gewässer auch das Wissen um natürliche Laichplätze der Neunaugen einfließen, um - wenn möglich - einen größeren Abstand zwischen Laichplatz und Sandfang zu realisieren. Der weitaus größte Teil der abwärts driftenden Larven siedelt auf den ersten 2 km unterhalb der Laichplätze (Befund an Bachneunaugen, LEMCKE 1999).
5 QuellenBIOTA (2008): Untersuchungsprogramm zum Monitoring von Fließgewässern nach WRRL in Schleswig-Holstein 2007/2008 - Los 2 (FGE Elbe). Band D - Qualitätskomponente Fische. Im Auftrag des Landesverbands der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holstein. Brunke, M. (2008): Naturnahe Sandfänge in FFH-Gebieten mit Neunaugen - Unterstützung bei naturnahen Unterhaltungsmaßnahmen. Vermerk 5 S. unveröffentlicht. Brunke, M. (2009): Persönlicher Kommentar zur Befischung eines Sandfanges in der Linnau zur Untersuchung der Besiedelung mit Neunaugen. Holcik, J. (ed., 1986): The freshwater fishes of Europe. Vol. 1, Part 1: Petromyzontiformes. Aula-Verlag. 313pp. Lemcke, R. (1999): Untersuchungen zur Populationsökologie des Bachneunauges, Lampetra planeri Bloch 1784, und des Flussneunauges, Lampetra fluviatilis Linnaeus 1758. Shaker Verlag. 140 pp. Neumann M (2002): Konzept zum Schutz gefährdeter Neunaugen- und Süßwasserfischarten in Schleswig-Holstein. Gutachten im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. 156p. Neumann M (2003a): Gebietsauswahl für Rundmaul- und Fischarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie in der von der schleswig-holsteinischen Landesregierung beschlossenen Natura 2000 Gebietskulisse. Gutachten im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. 222p. Neumann M (2003b): Erfassung und Bewertung von einer Rundmaul- und drei Fischarten aus Anhang II FFH-RL in ausgewählten Fließ- und Stillgewässern des Landes Schleswig-Holstein sowie eine Methodenerprobung. Gutachten im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. 94p + Anhang. Neumann M (2006): Recherchen und Untersuchungen zu Laichplätzen von Meerneunaugen und Entwicklung eines Meldesystems. Bericht für das Landesamt für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein. 63p.
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