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Wasserkraft ist kein sauberer grüner Strom. Wir setzen uns dafür ein, dass die mühselig erreichten Verbesserungen an unseren Bächen und Flüssen nicht durch neue Wasserkraftanlagen wieder zunichte gemacht werden.

Geschrieben von Peter Heldt, Präsident des LSFV-SH

Die Angelvereine und Verbände im Land Schleswig-Holstein setzen sich seit Jahrzehnten aktiv für eine Verbesserung der Fließgewässer und für eine Erhaltung der darin lebenden Fischarten ein. Schon lange bevor es die europäische Fauna-Flora-Habitat (FFH) oder die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gab, setzten sich Angler für den Erhalt von Lachs, Meerforelle, Bachforelle, Schnäpel, Aal, Quappe und zahlreichen anderen Arten ein. Dabei wurden natürlich auch die Veränderungen an den Lebensräumen betrachtet, die oftmals die Ursache für den Rückgang der Arten darstellen. Querbauwerke beeinträchtigten stark die Wanderung der Fische zu ihren Laichgründen und tuen dies auch heute noch. Durch Begradigungen und Gewässerunterhaltung wurden vielerorts die Gewässersohlen instabil, die Laichplätze für Kieslaicher versandeten oder verschwanden ganz. Immer mehr Verschmutzungen setzten den Gewässern zu. Lange Zeit hat davon niemand Kenntnis genommen.

Mit dem Versuch die Wasserkraftnutzung in unseren Bächen und Flüssen auszubauen wird der Verbesserung ihres ökologischen Zustandes entgegengearbeitet.

Nur die Angler, die ihre Reviere ständig im Auge haben, bemerkten die negativen Entwicklungen frühzeitig und steuerten gegen. Mit sehr viel Arbeit wurden z.B. die Salmoniden erhalten. Laichfischfang und das künstliche Erbrüten der Eier sorgten dafür, dass es Meerforelle und Lachs noch heute bei uns gibt. Das Wiederherstellen der Durchgängigkeit, beziehungsweise strukturverbessernde Maßnahmen, waren für uns Angler allerdings nur schwer durchführbar. Wir haben zwar vielerorts das Fischereirecht, aber nicht das Recht auf bauliche Veränderungen am Gewässer.

Sehr erfreut waren wir daher, dass sich am Anfang dieses Jahrhunderts die WRRL des wichtigen Themas annahm. Ziel der WRRL war es, bis zum Jahr 2015 die Gewässer in einen guten ökologischen Zustand oder gutes ökologisches Potenzial zu bringen. Dass dies so kurzfristig nicht möglich sein würde, wurde in den letzten Jahren immer deutlicher. Aber immerhin war es ein Aufbruch in die richtige Richtung. In allen Bearbeitungsgebieten unseres Bundeslandes waren von Anfang an Vertreter der Angler und Fischer vertreten. Oftmals war es dabei unsere erste wichtige Aufgabe, die Vertreter der anderen Interessenverbände darüber zu informieren was unter der Oberfläche ihrer heimischen Gewässer eigentlich lebt. Unter anderem auch darauf basierend wurde dann mit ersten Maßnahmen begonnen. Querverbauungen wurden zu durchgängigen Sohlgleiten umgebaut, strukturverbessernde Maßnahmen wurden durchgeführt und viele andere Verbesserungen der Fließgewässer wurden endlich angepackt. Bis heute ist man erst ein kleines Stück des Weges gegangen und sehr viel bleibt noch zu tun.

Mit großer Besorgnis sehen wir nun, dass man auf diesem Weg, der unsere Gewässer ja eigentlich nach vorne bringen soll, schon wieder Rückschritte macht. In letzter Zeit beschäftigen uns immer wieder „Unfälle“ von Biogasanlagen und das Auftauchen von längst vergessenen Abwasserpilzen zeigt uns an, dass einige Gewässer wieder stark verschmutzt werden. Besonders problematisch sehen wir die Entwicklung, dass wieder Wasserkraftanlagen, auch in kleine Fließgewässer, eingebaut werden sollen.

Ein großer Rückschritt(!):

Allgemein sprechen Konflikte mit den Umweltzielen der WRRL gegen den Betrieb von Wasserkraftanlagen in Fließgewässern. Bei den zugehörigen Querverbauungen handelt es sich immer auch um eine Einschränkung, beziehungsweise Unterbrechung, der Durchgängigkeit. Die freie Durchwanderbarkeit der Gewässer ist jedoch eines der wichtigsten Ziele der EU-WRRL. Sie ist Grundlage für den Lebenszyklus vieler Wanderfischarten, aber auch für Neunaugen und wirbellose Tiere. Selbst wenn eine Wasserkraftanlage stromauf liegende Gewässerteile nicht vollständig sperrt kann es immer noch zu großen Schäden kommen. Egal ob Turbine oder Energierotor, der optimale Fischschutz für diese „potenziellen Fischschredder“ ist immer noch nicht gefunden. Große Teile der Abflussmenge sollen für die Stromgewinnung genutzt werden. Aber genau dieser Fluss wird von den Fischen oftmals als Lockströmung wahrgenommen, sie werden sozusagen magisch vom „Häckselwerk Turbine“ angezogen. Besonders absteigende Fischbrütlinge, Jungfische, und Neunaugenquerder sind stark gefährdet.

In einigen Fällen kann es durch Wasserkraftanlagen auch zu aufgestauten Stillwasserbereichen kommen. Das wiederum kann Verschlammung, Temperaturerhöhung und Sauerstoffmangel nach sich ziehen.

Durch einen Kraftwerksbetrieb, egal ob groß oder klein, wird dem betroffenen Gewässer immer Energie entzogen. Ein gesundes Gewässer braucht aber eben diese Energie zur Umlagerung von Substraten und zur Selbstreinigung. Bei der WRRL hat man in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen, um den Gewässern ihre Eigendynamik zurückzugeben. Durch den Einbau von neuen Wasserkraftanlagen macht man einen Teil dieser Bemühungen nun wieder zunichte.

Ich selber arbeite von Anfang an mit bei der EU-WRRL im Bearbeitungsgebiet 6 – Treene. Auch dort gibt es kleine Wasserkraftanlagen mit dazugehörigen Staubauwerken. Auch dort arbeitet man seit Jahren daran die Durchgängigkeit zu verbessern und eventuell den Kraftwerksbetrieb einzustellen oder einzuschränken. Dazu muss man sich natürlich mit den Leuten einig werden welche die teilweise uralten Staurechte innehaben. Jeder Besitzer hat berechtigte Interessen und es ist oftmals ein langer Vorgang nötig, um Möglichkeiten zu finden die allen Beteiligten gerecht werden. Hierbei handelt es sich aber um alte Anlagen für die man Wege sucht.

Macht es da Sinn andernorts wieder komplett neue Kleinkraftwerke in kleine Fließgewässer einzubauen?

Sicherlich hat ein Staurechtsinhaber die Möglichkeit z.B. mit einem Energierotor ein paar Haushalte mit Strom zu versorgen. Aber steht dieser Energiegewinn im richtigen Verhältnis zu dem Schaden den man dem Gewässer zufügt? Muss es nicht eigentlich ein Ziel der WRRL sein den Inhaber in irgendeiner Form zu entschädigen und weitere Wasserkraftanlagen zu verhindern?

Seit langem beschäftigen uns Wasserkraftanlagen. Große Wasserkraftanlagen wie das Pumpspeicherwerk in Geesthacht dürfen gewaltige Mengen Wasser aus der Elbe saugen. Hier kämpfen wir seit Jahren für Verbesserungen des Fischschutzes und dafür, dass durch Besatz der Schaden an der Fischfauna zumindest ansatzweise ausgeglichen wird. Die beiden größten Flusskraftwerke Schleswig-Holsteins, in der Schwentine bei Raisdorf, verrichten ihren Betrieb ebenfalls ohne mit Fischschutz nach Stand der Technik ausgerüstet zu sein, und das angesichts der dramatischen Gefährdung des Aals. Ein Monitoring der Fischwanderhilfen bei diesen Kraftwerken findet leider nicht statt, so dass über Verluste in den Turbinen und den Wandererfolg leider nur spekuliert werden kann. Die Schwentinemündung wurde durch ein weiteres Kraftwerk verbaut, anstatt eine optimale Durchwanderbarkeit einzurichten. Aber auch gerade kleine Wasserkraftanlagen machen uns Sorgen. Derzeit wird eine Anlage bei Kupfermühle in die Trave eingebaut.

Normalerweise gelangen wir schon in der Planungsphase über die AG 29 des Landesnaturschutzverbandes über solche Projekte in Kenntnis. Aber Recherchen ergaben, dass auch der LNV im Vorfeld nichts über dieses Bauwerk erfahren hat. Später wurde Interessierten ein Prototyp vorgestellt. Dieser war allerdings viel kleiner als der Energierotor der momentan tatsächlich montiert wird. Wir versuchten Akteneinsicht bei der unteren Wasserbehörde zu bekommen. Daraufhin wurde uns mitgeteilt, dass diese uns nicht gegeben werden könne, da wir keine Beteiligten des Verfahrens seien. In eine FFH-Vorprüfung und -Verträglichkeitsuntersuchung wurde uns ebenfalls keine Einsicht gewährt. Bei anderen geplanten, und ähnlichen, Anlagen wurden wir Angler rechtzeitig mit einbezogen. Dann hat unser LSFV zu solchen Vorhaben Stellung bezogen (siehe Verweise). Sie sind dann nicht gebaut worden. Es beschäftigt uns sehr wie sich dieser aktuelle Fall entwickelt. Auch in anderen Fließgewässern unseres Landes könnte man auf die Idee kommen solche Energierotoren einzubauen. Wir haben auch Rat bei Experten unseres Bundesverbandes eingeholt, die sich seit Jahren mit der Wasserkraft und ihren negativen Auswirkungen beschäftigen.

Wasserkraft ist kein sauberer grüner Strom. Wir setzen uns dafür ein, dass die mühselig erreichten Verbesserungen an unseren Bächen und Flüssen nicht durch neue Wasserkraftanlagen wieder zunichte gemacht werden!

Peter Heldt

Stellungnahmen des LSFV-SH gegen die Wasserkraftnutzung finden sie auf http://www.fischschutz.de/stellungnahmen

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