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Neunaugen

Dr. Miriam Blank (Universität Hamburg)

Die Evolution von nicht-parasitischen Bachneunaugen und ihre Verwandtschaft zu den anadromen, parasitischen Flussneunaugen ist eine seit langem diskutierte Frage der Neunaugenforschung. Von den insgesamt ungefähr 40 Neunaugenarten weltweit sind etwa die Hälfte nicht-parasitische Bachneunaugenarten, die ausschließlich im Süßwasser leben. Sie verbringen mehrere Jahre als Larvenstadium (Querder) im sandigen Boden und filtrieren Plankton. Nach der Verwandlung (Metamorphose) fressen die adulten Tiere nicht mehr. Im Gegensatz dazu haben die im gleichen Lebensraum vorkommenden Flussneunaugen eine kürzere Larvalphase und wandern nach der Metamorphose flussabwärts ins Meer. Sie ernähren sich von Fischen, denen sie mit ihrem Zähnchen besetzten Saugmund Haut und Muskelfleisch herausraspeln. Zur Fortpflanzung wandern die Flussneunaugen wieder zurück ins Süßwasser, wo sie sich, wie die stationären Bachneunaugen auch, fortpflanzen und dann sterben. Die Verbreitungsgebiete des Europäischen Fluss- und Bachneunauges überlappen größtenteils und sie besiedeln Fließgewässer des Einzugsgebietes der Nord- und Ostsee, des Atlantiks und des westlichen Mittelmeeres (Holčík 1986).

Die Neunaugenbesiedlung des naturnahen Sandfangs Borstel-Hohenraden an der Pinnau und Empfehlungen zur Unterhaltung im Hinblick auf den Schutz von Neunaugen

Ein gemeinsamer Bericht von:

Dr. Roland Lemcke

Dipl.-Biol. Martin Purps

LLUR, Abt. 3

Fischereiberater

Dez. 31, Binnenfischerei

Landessportfischerverband S-H e. V.

1 Zielstellung und Veranlassung

Im Zuge der Umsetzung der EU-WRRL wurde im Jahr 2008 in der Pinnau bei Borstel-Hohenraden ein naturnaher Sandfang angelegt (Abbildung 1). Auf die Sedimentproblematik und das Thema Sandfänge soll hier nicht näher eingegangen werden, vgl. dazu bspw. den Vermerk von Dr. Brunke, LLUR 41, vom 17.11.2008.
Die Pinnau ist ein wichtiges Laichgewässer für Neunaugen und u. a. aus diesem Grund als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen: DE-2323-392 „Schleswig-Holsteinisches Elbeästuar und angrenzende Flächen", Teilgebiet 3: „Unterlauf von Stör, Krückau und Pinnau oberhalb der Sperrwerke" bzw. unmittelbar im Bereich des Sandfangs DE-2225-3032 „Pinnau/ Gronau".

Abbildung 1
Es bestand bereits zum Zeitpunkt der Errichtung der Sedimentfalle die Vermutung, dass der Sandfang von Querdern, den Larven der Neunaugen, als Sekundärhabitat angenommen werden würde. Aus vergleichbaren Strukturen in anderen Gewässern ist bekannt, dass Querder hier in extrem hohen Dichten siedeln können.
Der Sandfang wurde angelegt, um die Sedimentfracht der Pinnau zu reduzieren, deswegen hat die ordnungsgemäße Unterhaltung zweifellos Priorität. Darüber hinaus sind aber auch Belange des Fischschutzes zu beachten (vgl. BIFO § 14 Abs. 1 sowie Artenschutzrecht auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene).

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